Udo Lindenberg und das eigene Leben

Veröffentlicht: 13. September 2017 in Veranstaltungen - Hintergründe
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Papenburg, Meyer-Werft, 8. September 2017 & mein Geburtstagsgeschenk.

Ich kann mich noch recht gut an den Zoff mit meinen Eltern erinnern, weil ich halt Udo gerne hören, ausgefranzte STAR-Jeans mit Schlag und die dicken Klopperschuhe dazu tragen wollte. Lange liegt das alles nun hinter mir. Heute schmunzle ich über all diese  Erinnerungen – mit Udo Lindenberg und seinem Panikorchester bin ich halt groß geworden. Meine Eltern brachten leider kein Verständnis für ihn auf, egal welche Argumente ich hatte. Für sie war er nur ein „Luderjahn“ oder „Tunichtgut“ von vielen.

Für mich war er in meiner Jugend ein Vorbild. Seine coole aber liebevolle Art ist bis heute spürbar und einfach nur fantastisch. Coolness bedeutet eben nicht, eiskalt zu sein 😉

Ich wollte wenigstens einmal die Gelegenheit wahrnehmen, Udo live zu erleben. In Papenburg hat es dann glücklicherweise geklappt. Erst spät fahren wir von zu Hause los, denn es schüttet aus Eimern. 20 Liter Regen die Stunde sind vorausgesagt. Als wir ankommen finden wir noch genügend Platz, um weit vorn an der Bühne zu stehen.

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Die Kulisse ist einfach ein besonderes Erlebnis. Das jüngste Kreuzfahrschiff der Meyer Werft, die „World Dream“ steht in voller Pracht neben der Bühne.

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Während die Vorband SDP im Regen alles gibt, strömen immer mehr Besucher auf den Platz. Als Udo „einfliegt“, ist das Veranstaltungsgelände rappelvoll. Wir haben im Leben nicht mit so vielen Besuchern gerechnet. Und die Show erst, volle Granate! Der Regen – ach ja, der ist ja auch da… er kann uns mal.

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Udo ist mit seinen 70 Lenzen nun auch nicht mehr der Jüngste, aber das was wir erleben, es ist wirklich der Oberhammer. Udo gibt mit seinem Panikorchester an diesem Abend zweieinhalb Stunden lang wirklich Vollgas und ist bis auf die Haut durch den unentwegten Regen durchnässt.

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Ich möchte ihn am liebsten fragen, wo er seine ewige Jungend gefunden hat. Also wenn ich mit 70 noch so agil bin, dann ist alles klar auf der Andrea Doria. Dann muss ich mir keinerlei Sorgen ums Alter machen 😉 Vielleicht liegt es aber auch an seinen grünen Socken – bei seinen letzten Songs springt er nämlich nur noch auf seinen Socken auf der Bühne herum.

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Lieber Udo Lindenberg und liebes Panikorchester: Vielen, herzlichen Dank für das einmalige Konzert! Bleibt gesund und agil, lass euch nicht vollsabbeln und macht immer euer Ding. Arnt und ich werden das Gleiche tun 😉

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Drei Stunden Schlaf sind uns sicher, dann fahren wir nach Herne zum Mittelalterfest auf Schloss Strünkede. Um 8 Uhr früh müssen nämlich spätestens zwei Sauen auf dem Grill liegen. Einer muss den Job ja machen 😉

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Kommentare
  1. Wir haben Udo im März live in Berlin erlebt, er begleitete mich auch durch meine Jugend in der DDR, er war dort ja so etwas wie unser Sprachrohr. Meine Eltern eher sehr politisch korrekt mit Jobs im Staatsdienst fanden ihn auch liederlich, meine Mutter jedenfalls, ich weiss dass mein Vater ihn heimlich verehrte. Ich zog mit Lederhose und Hut in den Sommerferien durch die DDR, immer ein Sticker an der Jeansjacke von ihm, mit dem Sonderzug nach Pankow und dort wo ihch meinen Hut hinhing, da war mein zu Hause und spielte Chello für so manchen Jungen, fand dann meine große Liebe von dem ich glatt doch der ersten Liebesbrief bekam in dem stand dass er mit mir zu den Sternen reisen will und 13 Kinder von ihm aus, alle total verrückt. Es ist bei 2 Kindern geblieben, ich spiele Ukulele kein Chello mehr aber unsere Sternenreise führen wir fort, ich war halt die Kugel in seinem Kolt 🙂 Ja Udo ist einfach der Beste. Gruß Conny

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    • ja, so ähnlich ist es mir auch ergangen. Tolle Geschichte, die du da schreibst, ist wirklich schön, was du alles erlebt hast. Meine Eltern kommen auch aus der DDR und wir waren oft zu Besuch bei der zurückgebliebenen Familie. Für meine Cousinen habe ich eine Menge Kassetten mit Udo Lindenberg rübergeschmuggelt. Ich lernte in der DDR einen angehenden Polizisten kennen, der heimlich Udo Lindenberg-Fan war – wir hörten nächtelang „Chello“… Für ihn schmuggelte ich LPs rüber und wollte ihn, zum Entsetzen meiner Eltern, heiraten und für ihn in die DDR ziehen. Meine Eltern konnten mich überzeugen, es nicht zu tun. Sie legten mir meine Liebesbrief vor, die angeblich von der DDR geschwärzt und zensiert, zurückgeschickt wurden, bevor sie überhaupt meine große Liebe erreichten. Eigentlich weiß ich bis heute nicht, wie die an meine Briefe kamen. Meine, in der DDR lebende, Tante arbeitete bei der Post – vielleicht hat sie es veranlasst… Natürlich war Udo an allem Schuld. Meine Mutter war, ebenso wie deine Eltern, politisch korrekt und darüber entrüstet, dass ich anderer Meinung war. Ich konnte früher schon nicht verstehen, wie sehr sich die Menschen „drüben“ veräppeln lassen haben. Udo blieb mein Vorbild und heute weiß ich, dass es richtig war, an meinen Wertevorstellungen festzuhalten. Daran festzuhalten, löste zwischen mir und meinen Elter eine Menge hitzige Diskussionen aus. Wie konnte man einerseits diesem Regime Recht geben und andererseits in der BRD leben – ich konnte ihre Einstellung einfach nicht verstehen. Udo ist und bleibt ein Vorbild für Frieden, Liebe und Geradlinigkeit. Auch heute singt er für Frieden auf der Bühne und bleibt somit Sprachrohr für alle, die noch nicht wissen, wohin der Zug nach Pankow politisch und menschlich eigentlich gehen soll. Ich bin bis dato ebenso gerast durch mein Leben und oft aus den Kurven geflogen – aber so ein Hero stürzt nicht ab, er startet von vorn 😉 Mille grazie, lieber Udo – ich ziehe vor dir meinen Hut, denn du warst immer für uns da…

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