Unfassbarer „Tatsachen“bericht Nerd-Mitarbeiter Teil III

Veröffentlicht: 17. Januar 2018 in Allgemein
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Eine weitere Enttäuschung – „Wiesel“

Eigentlich pflegen wir seit vielen Jahren eine herzliche Beziehung zu Wiesel. Er hilft uns und wir helfen ihm. Von welchen Heldengeschichten er mir alles erzählt hat. Scheinbar hatte er es nicht einfach in seinem Leben. Naja, zurück zur Gegenwart, irgendwann zeichnet es sich ab, dass er sich mit seinem Arbeitgeber überwirft und bei uns anfangen will.

Ich denke noch… Mensch, das ist doch nichts für dich. Hier muss richtig geklotzt werden, die Temperaturen sind im Sommer mit dem Feuer kaum zu ertragen und der Stress ist immens hoch.

Er war in der Vergangenheit schon recht krank, diverse Schlaganfälle durchkreuzten sein Leben. Aber eigentlich ich will ihn nicht hängen lassen…

Mein Göttergatte und ich überlegen hin- und her und beschließen letztendlich, ihn einzustellen. Geleitet werden wir von der Tatsache, dass Wiesel als Veranstaltungshelfer einiges an Erfahrung mitbringt und wir davon sicherlich profitieren können.  Wir hoffen insgeheim, dass er wieder vernünftig wird und zurück zu seinem ehemaligen Arbeitgeber geht. Schließlich hatte er es da nun wirklich nicht schlecht, die Arbeitsstelle passte haargenau auf seine Fähigkeiten.

Das Drumherumplanen beginnt für uns sofort

Wiesel möchte, wenn es geht,  mit seinem Wohnmobil zu den einzelnen Veranstaltungen fahren. Wir müssen daher organisieren, wie er auch unsere Fahrzeuge zu den jeweiligen Veranstaltungen fährt. Wir geben Unmengen Geld für unsinnige Hin- und Zurückfahrten aus, damit er letzten Endes in seinem Wohnmobil auf den Veranstaltungen schlafen kann. Seine eigenen Worte diesbezüglich: Er lebe ja zurückgezogen und möchte daher vermeiden, mit anderen in einem Zimmer zu schlafen. Tolle Wurst – auch dieser Umstand soll uns noch eine Menge unseres hart verdienten Geldes kosten.

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Derweilen, auf unserem Hof, insbesondere in unserer Werkstatt

Nach kürzester Zeit entsteht ein wüstes Durcheinander der Extraklasse. Und als er unseren Strom mit FI’s absichern muss, bricht bei uns in Sekunden eine monstermäßige, intergalaktische Unordnung von heraushängenden, blanken und stromführenden Kabeln, herausgeschraubten Schaltern und abmontierten Sicherungskästen, aus. Als wir ihn darauf ansprechen, bekommen wir von ihm die einzig logisch Antwort: Oh, das habe ich offensichtlich vergessen. Und ich kann mich noch so genau an seine Worte erinnern: Hier werden wir für Ordnung sorgen, das alles sortiere ich, sodass man nicht ständig suchen muss! HAHAHA!

Ich erinnere mich augenblicklich an eine Psychologin, die für schlechte Laune ein Geheimrezept parat hat: 20 Sekunden lang einfach krampfhaft grinsen. Das setze ich, zur Verwunderung meines Göttergatten, sofort um, als ich das Chaos zu Gesicht bekomme. Was grinst du denn so blöd?, fragt mich daraufhin mein Mann. Ich beende mein Vorhaben nach einer halben Stunde mit Gesichtskrampf – meine erhoffte Wirkung stellt sich nicht ein. Ich verspüre indes einen überschwänglichen Wunsch, wieder ins Bett zu gehen.

Tage später, steht Wiesel stolz vor uns, um uns zu verkünden, dass er unsere Ersatzmotoren überarbeitet hat. Jetzt müssen wir ihn loben, oder nicht? Gut, wir loben ihn also überschwänglich und freuen uns darüber… wundern uns jedoch im nächsten Moment, wie er das in der Zeit schaffen konnte. Schließlich musste ja der LKW aufgeladen werden. Zuversichtlich, dass das alles erledigt ist und wir nun Essen gehen können, machen wir uns freudestrahlend auf dem Weg zu unserem LKW.

Wir trauen unseren Augen nicht, als wir zum LKW kommen. Denn unser Vorarbeiter rackert sich immer noch ab (17:30 Uhr zeigt die Uhr), um den LKW zu beladen. NE JETZT – ODER?

Unser Unverständnis macht sich prompt in Form von fiesem Ganzkörperausschlag bemerkbar.

Geplant war das doch aber ganz anders… denken wir hilflos und wissen nicht, ob wir nun heulen oder Wiesel gleich rausschmeißen sollen.

Lange Rede, kurzer Sinn: BEIDE sollten den LKW schon längst beladen haben!

Als wir Wiesel daraufhin (leider zu freundlich) zur Rede stellen, präsentiert er uns SEINE ultimative und 1000fach widerkehrende Körperhaltung: Schulterzucken!
Und seine ultimative und 1000fach wiederkehrende Antwortet: „Hab ich doch nicht gewusst…“

Wir schweigen betroffen… Eigentlich bleibt uns aufgrund seiner Antwort einfach nur die Luft weg und wir drohen jeden Moment zu ersticken.

Wie, er hat das nicht gewusst? schwirrte es mir durch den Kopf.

So etwas sieht man doch! Wenn mein Arbeitskollege arbeitet, ja in diesem Fall den LKW auflädt, dann frag ich doch mal nach, ob ich helfen kann, oder nicht? Zumal wir vorher Beiden ausdrücklich gesagt haben, dass sie doch bitte den LKW aufladen sollen.

ICH GLAUB, ICH DREH GLEICH DURCH!

Das Thema ist für uns nicht vom Tisch, aber die Sache ist nun mal gelaufen. Ändern können wir es eh nicht mehr. Wir investieren also weitere Stunden, um den LKW gemeinsam aufzuladen. Selbstverständlich hat sich Wiesel die Stunden bezahlen lassen. Und wir fallen abgekämpft und ohne Essen nur noch ins Bett.

Als wir am letzten Tag auf einer unserer Veranstaltungen dazukommen, steht Wiesel entspannt angelehnt und rauchend, ohne Arbeitskleidung, neben unserem Stand und lässt unsere beiden anderen Mitarbeiter bei sengender Hitze arbeiten. Mir zeigt er gleich stolz unsere blitzblank geputze Leiter. Wofür in aller Herrgotts Namen putzt der ne Leiter, hat der nichts Wichtigeres zu tun? Ich quetsche mir ein Lächeln heraus und lobe ihn auch noch dafür, nur um die Stimmung nicht kippen zu lassen.

Im Vorbereitungszelt geht es indes drunter und drüber… zuhauf liegen Wiesels leere Wasserflaschen herum und von Ordnung ist weit und breit nichts zu sehen.

Mit selten dämlichen Ausreden wird dieses Chaos erklärt… warum nicht und weshalb da oder jenes anders ist als sonst… Ich gebe mir Mühe, nicht aus der Haut zu fahren und lege die Angelegenheit erst einmal an acta, um nicht schlagartig auszurasten. Wir müssen weiter zu einem anderen Termin – so lassen wir unsere Mitarbeiter abbauen und den LKW aufladen.

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Schlagartig 1000 Jahre älter geworden

Als wir zu Hause sind und den LKW öffnen, befällt uns schlagartig das Methusalem-Syndrome – als wäre das Leben nicht schon kurz genug, fühlen wir uns um 1000 Jahre älter.

Eigentlich hätte ich ein Bild davon machen müssen. Der LKW ist ohne Sinn und Verstand beladen, sodass uns unser fest installiertes Regal, komplett verzogen, entgegenfällt und die gesamte Ladung ramponiert und zerkratzt ist.

Ich muss, den im Gesicht bereits rot angelaufenen Göttergatten, beruhigen – mir fallen, rein zum Selbstschutz, alle möglichen Argumente ein. Insbesondere, dass Wiesel ja nicht mehr so belastbar ist und es ja schließlich jeder von unseren drei Mitarbeitern gewesen sein könnte.

Natürlich hat er mit seinem Argument, das Wiesel langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet aufweist, Recht. Aber ich beruhige ihn, damit das ganze Dilemma nun nicht noch hochkocht und für uns zur seelischen Belastung wird.

Später erfahren wir, dass wir mit unseren Vermutungen doch Recht hatten, Wiesel hatte größtenteils aufgeladen.

Das gleiche Spiel wiederholt sich, als wir den Leihkühlanhänger öffnen. Die Seitenwände zerkratzt, nichts eingepackt und unserer Ausrüstung liegt ungeschützt im gesamten Hänger verteilt. Wir schauen dem Chaos direkt ins Antlitz.

Verzweiflung macht sich breit

Wenige Veranstaltung später sitzen mein Mann und ich verzweifelt auf dem Sofa und wissen nicht mehr, was wir noch machen sollen. Die Belastung für uns hat inzwischen gewaltige Ausmaße angenommen. Jeden Handgriff unserer Mitarbeiter müssen wir genau beobachten. Wir können Niemanden unbeaufsichtigt arbeiten lassen… es ist zum heulen!

Auf einer Veranstaltung in Norddeutschland ist auch Wiesel vertreten. Personell, wie im ersten Artikel bereits erwähnt, geht es drunter und drüber.

Gottlob, Wiesel funktioniert! Unser Leihkoch, mit langjähriger Erfahrung bezüglich Veranstaltungen, gibt den Ton an und Wiesel folgt seinen Anweisungen auf Schritt und Tritt. Ich fühle mich mit den Beiden ganz wohl, offensichtlich sind sie in diesem Moment die einzig Vernünftigen. Ich bin sogar erleichtert, dass Wiesel da ist. Er kann als Einziger unseren LKW fahren – dadurch entlastet er uns ein ganzes Stück.

An der Front allerdings ist er nur suboptimal einsetzbar. Er hat, nach eigener Aussage, Probleme an der Kasse. So planen wir alles so, das es irgendwie passt. Die restliche Mannschaft, auch Geist, der zu diesem Zeitpunkt noch bei uns ist, spielen verrückt (in meinem ersten Artikel berichtete ich davon). Nach zehn Tagen sind wir reif für die Klappsmühle und wissen nicht, wie wir das Jahr überstehen sollen.

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Schlammschlacht

Wiesel fährt, zusammen mit unserem Vorarbeiter, mit seinem Wohnmobil und unserem Leihanhänger zurück nach Hause. Der Anhänger muss abgeladen werden. Der Hänger  muss pünktlich wieder abgegeben werden.

Wir sind mit LKW sowie einem weiteren Fahrzeug ebenfalls auf dem Rückweg. Ich bin zuerst zu Hause und mich trifft der Schlag, als ich auf unseren Hof fahre.

Wiesel steht mit samt Leihanhänger im knietiefen Schlamm. Ich spreche ihn darauf an und er erklärt mir, dass mein Göttergatte doch auch immer diese Einfahrt (wir haben zwei davon) nutzen würde. IST DER JETZT SO BLÖD ODER TUT DER NUR SO? Ich verkneife mir mein hysterisches Lachen.

Ja schon, aber man sieht doch, dass das die Einfahrt voller Schlamm ist und das Risiko demnach hoch ist, darin mitsamt schwerem Wohnmobil nebst Hänger zu versinken“, erkläre ich ihm geduldig. Seine Antwort ist sooo geistreich… er könne sich nun nicht damit beschäftigen, er muss sich erst einmal um sein Wohnmobil kümmern, dass nun nicht mehr anspringt.

Ich rufe meinen Mann an, um mir Rat zu holen. Ich platze fast vor Wut und bin froh, erst einmal aus der Situation verschwinden zu können.

Mein Göttergatte tobt am anderen Ende der Leitung und ist fassungslos über so viel Unvermögen. Mein Mann ruft Wiesel an und erklärt ihm, dass der Hänger vorrangig abgeladen werden muss – wir unter Zeitdruck stehen, weil dieser pünktlich abgegeben werden muss. Danach könne er sich ja um sein WoMo kümmern. Daraufhin ist Wiesel merklich angesäuert. Ich bin froh, dass mein Mann mit ihm gesprochen hat. Bei meiner Reaktion wäre Wiesel weinend davon gelaufen oder ich hätte ihn gleich erschlagen.

Irgendwie bekommen wir alles geregelt, wir können den Leihanhänger noch pünktlich abgeben.

Wiesel stellt indes fest, dass sein Anlasser kaputt ist. Mitten in der Einfahrt stehend, braucht er weitere drei Tage, bis ein neuer Anlasser eingebaut ist und er nach Hause fahren kann.

Ganz ehrlich, als abgeklärter, erfahrener und langjähriger Veranstaltungshelfer, muss man so etwas einschätzen können! Ich fahre doch nicht mitten in den Schlamm, nur weil ein Anderer das einige Tage vorher (ohne Schlamm) auch getan hat. Welche Denkweise legen die Leute denn an den Tag?

Er hätte doch mit WoMo und Anhänger auch unmöglich in die erste Einfahrt gekonnt – diesen langen Zug hätte er ja nicht auf dem Hof drehen können, erzählt er mir noch nebenbei. WIE BITTE?? Mein Göttergatte fährt täglich (Wiesel hat das mehrmals beobachten können) mit LKW und großem Kühlanhänger auf den Hof und kann damit ohne Zweifel wunderbar drehen. Und dann will er mit seinem kleinen Spielzeug da nicht drehen können? Ich fühle mich veräppelt.

Autofahren muss gelernt sein

Diese Vorkommnisse lassen mich langsam aber sicher an nichts Gutes mehr glauben. Wenige Tage später, als wir zusammen mit dem Auto unterwegs sind, merke ich und unabhängig davon auf einer anderen Fahrt auch mein Göttergatte, dass Wiesel total unsicher und phlegmatisch Auto sowie LKW fährt. Tragen wir also jetzt auch noch ein hohes Risiko, ihn mit unseren Fahrzeugen zu einer Veranstaltung fahren zu lassen?

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Und wieder Schneckentempo

Wenige Veranstaltungen später arbeitet Wiesel an der Front… leider auch und immer noch im Schneckentempo.

Das kostet uns bares Geld, wenn jemand so langsam arbeitet. Anstatt drei Portionen Sau vom Spieß zu verkaufen, geht nur eine Portion über den Ladentisch. Eigentlich müssten wir für halbe Arbeit auch nur halb so viel Lohn bezahlen. Aber er muss es lernen, wir haben nur noch wenig Zeit bis zum Weihnachtsmarkt. Und da geht es vier Wochen lang richtig rund. Bis dahin muss jeder Handgriff sitzen.

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Er möchte nicht mit den Anderen

Auf eindringlichem Wunsch besorgen wir ihm kurzfristig ein eigenes Zimmer für den Weihnachtsmarkt. Denn er will, nach wie vor, nicht mit anderen in einer FeWo schlafen.

Wer Konstanz kennt, weiß, dass um die Weihnachtzeit eine preisgünstige Unterkunft fast unmöglich zu finden ist. Konstanz ist ein Jahr im Voraus ausgebucht. Mit Hängen und Würgen finden wir noch etwas. Als Wiesel jedoch seine Unterkunft bezieht, ist für ihn diese Wohnung schon alleine grauenhaft, weil kein Fernseher da ist. Er schickt uns Bilder davon, lässt nicht locker und erzählt über Tage davon, wie bescheiden seine Unterkunft wäre. Nun ja, nach den Bildern ist die Behausung nicht auf dem neuesten Stand, aber sie ist zweckmäßig.

Er wird eh zeitlich gut eingespannt sein, sodass er seine Behausung nur zum Schlafen nutzen wird. Sorry, aber im Ritz können wir ihn nicht unterbringen. Dazu fehlt uns nun wirklich die Kohle. Er schläft auch nicht mit den anderen in der FeWo… also muss er diese Kröte schlucken, ob er will oder nicht. Im Hintergrund frage ich alle möglichen Leute, ob die noch etwas wissen – aber mein Vorhaben ist nicht von Erfolg gekrönt.

Dienst nach Vorschrift

Seine Arbeitsleistung ist verhalten und alles deutet darauf hin, dass er nun Dienst nach Vorschrift schiebt. Hintergrundarbeiten bekommt er recht gut hin, aber dabei vergisst er immer wieder Aufgaben, die für einen reibungslosen Ablauf wichtig sind. Die Asche einzelne Feuerkörbe leert er einfach nicht aus, vergisst es schlichtweg und wir bekommen dadurch keine Hitze in den Grill. Überall herrscht heilloses Durcheinander.

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Die Zeit bleibt stehen oder der Heilige Geist

Ist er an der Front eingesetzt… oh mannnn…. Klöße kochen z.B.: Ich stelle dazu das Wasser an, bis es heiß ist und dann kommen die vorgerollten Klöße für 15 Minuten hinein. In der Zeit erledige ich andere Dinge, sonst gerät man unweigerlich für anfallende Aufgaben unter Zeitdruck.

Wenn Wiesel diese Aufgabe übernimmt, bleibt er stoisch vor den kochenden Klößen stehen und tut nichts. Man könnte meinen, er wartet auf den heiligen Geist. Um ihn herum wird indes gearbeitet und keiner kann nur eine Sekunde Pause machen. Und er steht da und tut NICHTS!

Genauso ist es, wenn er an einer anderen Position eingesetzt wird. Er schaut nicht nach rechts oder links, ob etwas getan werden muss. Nein, wenn er seine Arbeit für diesen Moment erledigt hat, steht er einfach nur da und macht NICHTS!

Jeder seiner Handgriffe muss vorweg minutiös erklärt werden. Auch muss man ihm erklären, wenn er es so nicht macht, was dann passiert. Wehe wir vergessen es, dann wird es prompt anders gemacht und wir haben das Nachsehen, weil wir diese Arbeitsschritte korrigieren oder gar nacharbeiten müssen.

Ich werde noch verrückt… wenn ich es nicht schon mittlerweile bin.

Nach zwei Wochen habe ich das Gefühl an Bonus Eruptus erkrankt zu sein. Ihr kennt die Krankheit nicht? Aber Dr. Nick Riviera kennt ihr, oder? Dieser Quacksalber von Bad Simpsons, der hat diese Krankheit aufgespürt. Bei Bonus Eruptus versucht das Skelett durch den Mund den Körper zu verlassen. Man fühlt sich dann haltlos, ausgeleiert, schwabbelig und antriebslos. Wenn man Mitarbeitern ständig hinterher arbeiten muss, dann fühlt man sich so.

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Wiesel fügt sich nicht in das Team ein.

Wiesel geht nach Feierabend nicht mit uns und dem Team essen. Er beteiligt sich auch nicht an unseren Gesprächen und nicht an unserer Trinkgeldglocke…

Ok, kurze Erklärung dazu: Wenn ein Gast Trinkgeld gibt, wird die Glocke dazu geläutet und alle rufen DANKEEE! Das macht unseren Gästen Spaß und unsere Mitarbeiter bekommen dadurch gute Trinkgelder. Abends wird das Trinkgeld auf alle Mitarbeiter aufgeteilt. Wiesel interessiert das nicht, er ruft nicht danke und eigentlich ist auch nur seine körperliche Hülle anwesend. Wie deprimierend!

Ewig und drei Tage

Holz holen mit LKW: Mein Göttergatte und ich benötigen 2,5 Stunden mit Aufladen und Zurückkommen und noch Schwätzchen mit dem Holzhändler halten sowie 2 km Umweg fahren, weil ich die Hälfte im LKW liegen gelassen habe.

Wiesel benötigt dafür VIEREINHALB Stunden! Wenn man ihm eine Zeitspanne vorgibt, fängt er an zu jammern, dass er das nicht in der Zeit schaffen könnte. Wir wissen aber aus langjähriger Erfahrung, dass es in der Zeit locker zu schaffen ist…. Was geht nur in diesem Menschen vor sich?

Pickup und Hänger fahren… oh Gott, der gibt so was von Gas und scherbelt um die Kurven. Fortan haben wir daher die größten Bedenken.

Zickig obendrein

Von unseren Mitarbeitern bekomme ich indes gesteckt, dass Wiesel ständig zickig reagiert. Bei mir gehen alle Warnlampen an. Das war schließlich das Endresultat seiner letzten Tätigkeit.

Er hört nicht hin

Wir sprechen über die Erbsensuppe, die noch gut eine halbe Stunde simmern muss, bis alles weich genug ist. Wir sind nicht ganz vom Stand, da nimmt er die Suppe und bereitet sie für den Verkauf vor. HÖRT DER NICHT HIN?

Wenn unsere Sauen verkauf sind, werden die Karkassen „abgespießt“. Die Klammern, die für den Halt der Sauen sorgen, kommen in einen Eimer mit Wasser, um einzuweichen. Abends sind die dadurch leicht zu reinigen. Was passiert bei ihm? Dreimal dürft ihr raten: NICHTS!

Da ich bereits an den fiesesten Krankheiten erkrankt bin – fällt mir, neben Maul- und Klauenseuche, einfach nichts mehr ein. Besserung ist nicht in Sicht, entweder ich töte mich oder ihn! Bis dato lasse ich mir immer noch nichts anmerken… also von meiner angestauten Verzweiflung. Ich weise ihn nett auf bestimmte Dinge hin, aber ernte immer wieder die gleiche Ausrede: „wusste ich doch nicht“ oder „ja, so hatte ich das auch vor“.

Endlich die erhoffte Erlösung

Mit meinen Tötungsabsichten kommt er mir jedoch zuvor. Eigentlich habe ich echt Glück, denn seine Entscheidung, die nun folgt, trage ich voll und ganz mit und gesunde auf der Stelle. Und was noch viel besser ist, ich lande nicht als Mörderin im Knast!

Abends, nachdem wir alle abgekämpft sind, steht der Eimer mit den Klammern herum – natürlich wieder ohne Wasser – und ich bitte ihn zähneknirschend, doch Wasser einzufüllen und schon mal mit dem Säubern der Klammern anzufangen. So erfährt unsere Putzhilfe Unterstützung und muss sich nicht noch mit den uneingeweichten Klammern die Nacht um die Ohren schlagen.

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STILLE

Wiesel steht vor meinem Göttergatten , legt ihm schweigend den LKW-Schlüssel hin, zeigt darauf und geht wortlos…. STILLE…. still ruht der See – stille Nacht, heilige Nacht…

Am nächsten Tag erscheint er nicht zum Arbeitsantritt und seitdem haben wir nichts mehr von ihm gesehen oder gehört.

Einen Mitarbeiter zu verlieren, heißt für uns, dessen Arbeit mitmachen zu müssen. Bei so einer großen Veranstaltung, wie dem Weihnachtsmarkt, ist so etwas massiv einschneidend und kräftezehrend für den Rest der Leute. Als Wiesel uns verlassen hat, merkt allerdings keiner von uns, dass er fehlt. In diesem Moment wird uns erst klar, wie wenig er sich letztendlich eingebracht hatte.

Unsere Mitarbeiter sagen heute noch einstimmig, dass er wirklich fehl am Platz war und sich nie ins Team einfügen wollte. Hier gilt der Spruch: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Wir sind letztendlich auf den Kosten der Unterkunft sitzen geblieben, aber fortan hatten wir Bombenlaune auf unserem Stand und alles funktionierte reibungslos.

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Auch bei der Silvester-Veranstaltung, bei der uns Wiesel mit Frau unterstützen sollten, sind wir massiv erleichtert, mit unserer Stammmannschaft hingefahren zu sein. Den Spaß, den wir da hatten, den hätten wir im Leben nicht gehabt, wenn Wiesel dabei gewesen wäre – ja wir wären mit seiner Arbeitsgeschwindigkeit sogar gnadenlos untergegangen.

Menschlich eine derbe Enttäuschung

Menschlich war er für uns eine große Enttäuschung. Unsere feste Absicht war es, da wir ihn nicht im Regen stehen lassen wollten, ihn in den Wintermonaten weiter bei uns zu beschäftigt. Wir taten alles, damit er abgesichert ist und dafür bekamen wir von ihm einen Arschtritt. Warum das so passiert ist, können wir uns bis heute nicht erklären. Wir haben ihn immer fair und freundlich behandelt. Aber seine Extrawurst, die er sich (als vermeidlicher Freund) wohl erhofft hat, bekam er nicht von uns. Er war, neben allen Anderen, ein Mitarbeiter. Wir behandeln Niemanden bevorzugt.

Nachwort und ernsthafte Gedanken dazu

Diese drei Tatsachenberichte sollte sich jeder, der es nur andeutungsweise in Erwägung zieht, bei uns anzufangen, zu Gemüte führen. Wenn euch geringste Zweifel aufkommen, lasst es bitte sein!

Behelligt uns nicht mit euren Versprechen und Beteuerungen!

Wenn ehrliches Interesse an einer Anstellung besteht, dann seid euch vorher darüber im Klaren:

Bei uns müsst ihr arbeiten – schnell, durchdacht und effektiv! Eine ruhige Murmel könnt ihr bei uns nicht schieben.

Als Gegenleistung erhält jeder einen guten Lohn, einen sicheren Arbeitsplatz, eine langjährige Anstellung, die notwendige Anerkennung und wir garantieren eine Menge Spaß!

Die Personen und die Handlung des Artikels sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

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