Die Nacht hat zwei Stunden

Veröffentlicht: 14. September 2017 in Zeitreise

Ich sitze mal wieder vor meinem PC. Die Nachtruhe war für mich sehr kurz – ich kann nicht schlafen und stehe um halb eins einfach wieder auf. Jetzt haben wir drei Uhr und draußen wie auch hier im Haus ist alles ruhig. Das sind meine besonderen Zeiten, in denen ich im Netz in Ruhe stöbern und recherchieren kann und in denen es mir sehr viel leichter fällt, zu schreiben.

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Das einzige Lebewesen was mit mir wach ist, ist eine Mücke. Zweimal hat sie mir schon gezeigt, dass sie mich mag und nun juckt es ganz dolle. Soll ich sie verfluchen, oder hat sie einfach ein Anrecht an mir? Es kommt ja nicht all zu oft vor, dass man um diese Stunde mit Lebewesen bei der Arbeit rechnen kann. Wir, sie ist ja schließlich auch gerade bei der Arbeit, belassen es dabei und akzeptieren unsere verschiedenen Wirkungsgrade. Wobei, ich mache es ihr seit 10 Minuten nicht mehr so leicht. Ich habe ihr quasi das Erntefeld entzogen, indem ich nun komplett angezogen und abgedeckt vor meinem PC sitze.

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Gestern Nacht war es auch ganz kurios – ich verliere mitten in der Nacht einen Zahn. Ich merke es zwar im Halbschlaf, kann mich aber nicht aufraffen, etwas zu tun. Früh morgens, als ich aufwache, fühle ich meinen Zahn, der nicht mehr da sein will, wo er sich so viele Jahre befand. So entlasse ich ihn für immer. „Wenn man einen Zahn verliert, wird jemand sterben oder ist gestorben“, schießt es mir durch den Kopf. Ich verdränge den Gedanken und lasse mich in meinen Arbeitstag treiben. Heute Nacht nun schießt mir dieser Gedanke wieder durch den Kopf, denn meine Vorahnung von gestern hat sich bewahrheitet.

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In solchen ruhigen Stunden lese ich Blogs – mein Leben ist so schnelllebig geworden, dass ich tagsüber einfach keine Zeit fürs Lesen habe. Heute Nacht fällt mir auf, dass Babs (Minibares) schon so lange kein Zeichen mehr von sich gegeben hat. Babs ist eine liebevolle Bloggerin, die mich sogar schon mit ihrem Mann Peter in Xanten besucht hat. In Xanten standen wir auf einem Veranstaltungsgelände mit unserer „Sau vom Spieß“. In unserem Blog schreibe ich ja, was wir mit der sau-saugut auf den Veranstaltungen erleben und Babs kommentierte das öfters und freute sich mit uns, wenn unsere Veranstaltungen planmäßig verlaufen sind. Ich gehe also heute Abend auf die Suche nach ihr und mit einem Schlag wird mir klar, sie wird nie wieder auf diesem Blog kommentieren, uns auch nie wieder besuchen kommen und ich kann auch nie wieder neue Geschichten auf ihrem Blog lesen, denn Babs ist seit Februar verstorben.

Mir wird schlagartig bewusst, dass seit Februar offensichtlich gefühlt zwei Tage vergangen sind. Mir ist mal wieder die Zeit davon gelaufen oder ist es das Leben, was so mannigfaltig daher kommt, dass man die Zeit darüber vergisst?

Danke Babs, dafür das du unser Leben mit deiner Anwesenheit, Aufmerksamkeit und Herzlichkeit bereichert und begleitet hast. In Gedanken wirst du in uns weiterleben.

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So ist das mit dem Tod, er hinterlässt mitunter tiefe Krater aber auch die Erinnerung an die Menschen, die einen Teil des eigenen Weges mitgegangen sind.

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Übrigens, meine Mücke greift mich nun im Tiefflug an. Sie summt ständig um mich herum, wahrscheinlich in der Hoffnung, irgendwo eine Lücke in meiner Kleidung zu finden, um mich stechen zu können. Sie kämpft schließlich um ihr Überleben.

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